Österreichische Schule

Reinhold Völkel Wikimedia Commons (CC0)

Von Michael von Prollius

Wer sind die „Österreicher“?

Österreichische Schule – auch Wiener Schule, Österreichische Grenznutzenschule oder Austrians – ist eine Bezeichnung für Anhänger liberaler Ideen, deren Ursprung in Wien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt und inzwischen weltweit von teilweise lose verbundenen Wissenschaftlern, Publizisten, Politikern, Privatgelehrten, Unternehmern und anderen interessierten Menschen geteilt und weiter entwickelt werden. Herausragende Wiener Persönlichkeiten sind Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kritisierten Wiener Wissenschaftler erfolgreich die Realitätsferne des wissenschaftlichen Mainstreams. Die herrschende Historische Schule wurde aufgrund ihrer Theorieaversion und Staatstreue von der aufkommenden Grenznutzen-Schule herausgefordert, die vom preußischen Berlin aus als Österreichische Schule abqualifiziert wurde.

Bereits der bedeutende Methodenstreit glich einem Kampf David gegen Goliath und dauerte etwa 30 Jahre lang von den 1880er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg. Entfacht wurde er vom Gründer der Österreichischen Schule Carl Menger (1840-1921). Im darauffolgenden Werturteilsstreit stand vorwiegend Max Weber im Mittelpunkt, kein Österreicher, aber ein Sympathisant. Die anschließende Auseinandersetzung der Österreicher mit den Sozialisten dauerte erneut Jahrzehnte. Ludwig von Mises (1981-1973) wies bereits 1920 die Unmöglichkeit rationaler Wirtschaftsrechnung im Sozialismus nach, weshalb eine wirtschaftspolitische Implosion nur eine Frage der Zeit sein konnte. Mises thematisierte das Kalkulations- und Koordinationsproblem. Darum dreht sich letztlich alles in Wirtschaft und Politik, allerdings spricht heute kaum jemand darüber, weil Kurzfristdenken und öffentliche Wirkung an die Stelle von Einsichten getreten sind. In den 1930er Jahren setzte zudem die nie beendete Auseinandersetzung mit den politischen Lehren von John Maynard Keynes ein. Krieg und Emigration ließen die Österreicher in der Versenkung verschwinden. Die USA boten ihnen seit der Flucht vor den Nazis eine wissenschaftliche und publizistische Heimat, unter anderem an der 1946 in der Nähe von New York gegründeten Foundation for Economic Education.

Für ihre zeitgenössischen Protagonisten begann die Renaissance der „Austrian School“ im Sommer 1974 mit einem namhaft besetzten Seminar in einer amerikanischen Kleinstadt im Staat Vermont – am Vorabend des Nobelpreises für Friedrich August von Hayek (1899-1992). Rund 50 junge Ökonomen nahmen am Seminar unter der Leitung der Mises-Schüler Israel Kirzner und Murray Rothbard und des Hayek-Schülers Ludwig Lachmann teil. Ein Zentrum österreichischer Ökonomie wurde später die George Mason University nahe Washington, wo der den Österreichern nahestehende Ökonom und Nobelpreisträger James Buchanan (1919-2013) wirkte. In der von Hayek in der Schweiz 1948 gegründeten Mont Pèlerin Society finden sich weiterhin viele internationale Anhänger der Österreichischen Schule. Der aktuelle MPS-Präsident ist Peter Boettke, Doyen der Austrians in den USA.

Inzwischen sind die Österreicher mit akademischen Programmen zurück in Europa. In Madrid mit Jesus Huerta des Soto und Philipp Bagus, in Angers (Frankreich) mit Jörg Guido Hülsmann und in Leipzig mit Gunther Schnabl, ferner in Berlin mit einem Studiengang an der BITS Hochschule und am Cevro Institute in Prag. Die emeritierten französischen Ökonomieprofessoren Jacques Garello und Pascal Salin schließen sich ebenfalls dieser Tradition an. Die von ihnen gegründeten Sommeruniversität der „Neuen Ökonomie“ in Aix-en-Provence diente über 30 Jahre als Treffpunkt angelsächsischer und kontinentaler Österreicher. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn die Gründer der Österreichischen Schule beriefen sich explizit auf den liberalen französischen Ökonomen Turgot (1727-1781), der das Informationsproblem in einer unfreien Wirtschaft bereits beschrieben hatte.

Was macht die Österreichische Lehre wertvoll?

Die Antwort hängt von der individuellen Wertschätzung ab. Alles Denken der Österreichischen Schule geht vom Individuum aus. Kollektivgrössen wie Wachstum oder Export werden mit Skepsis und Zurückhaltung betrachtet, vor allem wenn es darum geht, diese mittels staatlicher Maßnahmen zu fördern. Als Essenz lässt sich ihr multidisziplinärer Ansatz anführen: Ökonomik, Recht, Soziologie und Politik sind miteinander verwoben. Im Kern handelt es sich um liberale politische Ökonomik.

Die Mises-Hayek-Revolution im Jahrzehnt um den Zweiten Weltkrieg strahlt auch heute noch aus. In den Jahren 1937 bis 1948 grenzten sich die Österreicher bewusst nicht nur vom Keynesianismus, sondern vor allem von der Neoklassik ab: Dem Homo oeconomicus steht der österreichische Homo agens gegenüber, der bewusst handelnde Mensch. Dessen subjektive Bewertungen und Streben nach Bedürfnisbefriedigung in allen Lebensbereichen stehen im Zentrum der österreichischen Lehre. Alles Handeln und jede Perspektive ist subjektiv. Es gibt weder einen objektiven Wert oder Preis eines Autos, noch einen standardisierbaren Mindestlohn oder Miethöchstpreis, aber leider viele derartige Anmaßungen mit nur zu gern übersehenen negativen Konsequenzen. Den Markt begriffen die Österreicher nicht als Ort mit einem vermeintlichen Gleichgewichtsideal, sondern als dynamischen Prozess, der auf ein Gleichgewicht zustreben kann und als Entdeckungs- und Entmachtungsverfahren dient. Im Gleichgewicht herrscht hingegen Stillstand ohne Wettbewerb. Der Unterschied ist nicht banal, sondern fundamental. Marktwirtschaftlich errungene Monopole und marktbeherrschende Unternehmen verlieren folglich an machtpolitischer Bedeutung – ohne staatlichen Schutz werden sie regelmäßig herausgefordert. Die Fortune 500 Liste dokumentiert beispielsweise den Aufstieg und Fall großer Unternehmen in den USA über Jahrzehnte hinweg. Und Wettbewerb kommt regelmäßig von völlig unerwarteter Seite. Derzeit schickt sich beispielsweise Amazon an, den Lebensmittelmarkt umzukrempeln, während Airbnb und Uber per Protektionismus für etablierte Dienstleister in Europa vielfach ausgebremst werden.

Ein bedeutendes Alleinstellungsmerkmal besteht in der Wahrnehmung des Unternehmers. Für Keynesianer und Neoklassiker war und ist mitunter der Unternehmer eine Black box, ein anonymer Nutzen maximierender Akteur. Für Österreicher füllt er hingegen eine zentrale, unersetzbare Rolle aus: In der Perspektive von Ludwig von Mises handelt es sich um den Entrepreneur, schumpeterisch gesprochen um den schöpferischen Zerstörer. Friedrich August von Hayek erkannte seine Bedeutung als Wissensstifter, als jemand, der Wissen entdeckt und nutzt. Murray N. Rothbard (1926-1995) betonte seine Funktion als Risikoträger. Israel Kirzner (*1930) unterscheidet zwei unternehmerische Funktionen: Findigkeit (alertness) und Arbitrage, also das Ausnutzen von Preisgefällen. Eine elaborierte österreichische Unternehmertheorie steht gleichwohl noch aus.

Die Ordnung macht den Unterschied

Ökonomie wird herkömmlicherweise als Wissenschaft betrachtet, die sich mit knappen Ressourcen befasst. Das gilt nicht für die Österreicher, die das Koordinationsproblem als zentrale Herausforderung identifiziert haben. Diese Erkenntnis wird bis heute geradezu dramatisch unterschätzt. Peter Boettke von der George Mason University hat dafür eine Formel geprägt, die es sich zu merken lohnt: „The three p give you the three i.“ Das bedeutet, Privateigentum, Preise, Profite und Verluste bilden die Voraussetzung für Information, Innovation und Anreize (incentives). Die Koordination knapper Ressourcen funktioniert nicht ohne die drei p. Störungen der drei p führen zu Beeinträchtigungen der drei i. Wenn eine Regierung für Innovationen sorgen will, hat sie diese zuvor abgewürgt, weil sie das Privateigentum nicht schützt, sondern als Verfügungsmasse ansieht, weil sie an den Preisen herumfummelt oder bankrotte Konzerne und Banken rettet.

Die Formel erfasst das zwangsläufige Scheitern des Sozialismus. Zugleich ist damit mehr als nur ein Fingerzeig auf die Probleme sklerotischer Wohlfahrtsstaaten verbunden. Viele Herausforderungen unserer Zeit lassen sich auf den Punkt oder auf die sechs Buchstaben bringen, ob es sich um mangelndes Wachstum einer vermeintlichen säkularen Stagnation handelt oder um die Finanzkrise, in der Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert und falsche Anreize (Moral Hazard) vom Staat gesetzt wurden.

Während Neoklassik und Mainstream von gegebenem Wissen ausgehen und die Expertise von Technokraten hervorheben, halten Österreicher spätestens seit Hayeks Aufsatz „The use of knowledge in society“ aus dem Jahr 1945 Wissen für unsicher und wandelbar, für weit verstreut und in unternehmerischen Aktivitäten gebunden. Eine zeitlose wirtschaftspolitische Lehre lautet dementsprechend: Preise sagen uns, was wir zu tun haben, und oft ist es etwas anderes als wir beabsichtigt haben. In Preisen sind Informationen gebündelt. Wer sie durch Höchst- und Mindestregulierung manipuliert, richtet immensen Schaden an.

Freiheit als Kompass

Die Österreicher bilden eine Denkschule, die unauflösbar mit dem (klassischen) Liberalismus verbunden ist. Ihre politische Ökonomik des handelnden Menschen bildet das Fundament einer freien Gesellschaft mit liberaler Rechtsordnung. Ziel österreichischer Politik ist die Begrenzung von Macht: „Der Liberalismus befasst sich mit den Aufgaben des Staates und vor allem mit der Beschränkung seiner Macht. Die demokratische Bewegung befasst sich mit der Frage, wer den Staat lenken soll. Der Liberalismus fordert, alle Macht, also auch die der Mehrheit, zu begrenzen.“ konstatierte Hayek, der beginnend mit seinem Grundlagenwerk „Verfassung der Freiheit“ die Minimalstaatsidee im Zeitalter der Sozialdemokratie wiederbelebte. In einer Zeit falsch verstandener Demokratie lohnt es sich das Zitat immer und immer wieder zu vergegenwärtigen. James Buchanan, Nobelpreisträger von 1986, suchte ebenfalls nach besseren Regeln für eine freie Gesellschaft und forderte, Mehrheitsentscheidungen dem Recht der Freiheit zu unterwerfen. Seine Arbeiten als mitbegründender Teil der Public Choice Schule sind ein wichtiger Bestandteil einer Theorie des Staatsversagens. Mises, der noch stark im 19. Jahrhundert verwurzelt war, hatte bereits Ende der 1920er Jahre die Erkenntnis wie folgt formuliert: „Nach liberaler Auffassung besteht die Aufgabe des Staatsapparates einzig und allein darin, die Sicherheit des Lebens und der Gesundheit, der Freiheit und des Sondereigentums gegen gewaltsame Angriffe zu gewährleisten. Alles, was darüber hinausgeht, ist von Übel.“ Seine Schriften hatten spätere namhafte Ökonomen, darunter Wilhelm Röpke, früh vom Sozialismus zum Liberalismus bekehrt. Bekanntlich forderten die Neoliberalen mit Alexander Rüstow einen starken Staat, der auf sich selbst zurückgezogen ist. In diesem Punkt waren sie Mises nahe, der kritisierte: „Eine Regierung, die, statt ihre Aufgabe zu erfüllen, darauf ausgehen wollte, selbst das Leben und die Gesundheit, die Freiheit und das Eigentum anzutasten, wäre natürlich ganz schlecht.“ Hayek erarbeitete ideengeschichtlich tief verwurzelte Aspekte einer Staatstheorie und einer Verfassung der Freiheit, in der alltägliche Regierungs- und Verwaltungsaufgaben von grundsätzlichen Regeln mit Verfassungsrang auch personell strikt getrennt sind. Dennoch gehört eine dezidierte Staatstheorie ebenfalls noch zu den Desideraten der Österreicher.

Krisenseismologen

Im Zuge der Finanz- und Weltwirtschaftskrise hat die Aufmerksamkeit für die österreichische Konjunktur-, Kapital- und Geldtheorie eine Blüte erlebt. Hayeks ideengeschichtliche Auseinandersetzung mit den Sozialisten „Der Weg zur Knechtschaft“ von 1944 stand sogar mehrere Wochen an der Spitze der amerikanischen Amazon Verkaufscharts. Das Video „Fear the Boom and Bust“ des österreichischen Ökonomen Russell Roberts (Hoover Institution) zusammen mit dem Produzenten John Papola wurde millionenfach angeklickt. Es bündelt die gegensätzlichen Erklärungen und Therapien, die die Jahrhundertkontrahenten Keynes und Hayek für Finanzkrisen bieten. In österreichischer Sicht sind die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und die Weltfinanzkrise ab 2007 primär monetär bedingt. Überinvestitionen, zudem in falsche, nicht durchhaltbare Projekte und Industriezweige, bedürfen einer Bereinigung, ohne die die Wirtschaft nicht mehr ihr Wachstumspotenzial entfalten kann, weil Zombiebanken und unrentable Unternehmen durch Zentralbanken und Staatshilfen künstlich am Leben erhalten werden. Auch diese Theorie ist nicht vollkommen fehlerfrei und besitzt Verbesserungspotenzial. Als Konkurrenz gilt beispielsweise die ebenfalls wiederbelebte, allerdings nicht bessere Theorie von Hermann Minksy. Gleichwohl bieten die Österreicher eine aussagekräftige Erklärung und ein erhebliches Potenzial für Krisenfrüherkennung. Dazu eine Randbemerkung: Wer sich mit dem wohl größten Krisenseismographen des 20. Jahrhunderts beschäftigen möchte, dem seien die autobiographischen Skizzen von Felix Somary empfohlen – einem Schüler von Carl Menger. Aussagekräftige Erklärungen bieten Österreicher auch für die Euro-Misere, die sie kommen sahen. Die gängige Beschränkung auf das Konsumentenpreisniveau, das über einen problematischen Warenkorb ermittelt wird, hindert Ökonomen, Politiker, Anleger und Konsumenten Vermögenspreisinflation und wandernde Finanzblasen ernst zu nehmen.

Summarisch erwähnt seien schließlich noch die Arbeiten von Steven Horwitz „Microfoundations and Macroeconomics“, weil es für Österreicher keine frei schwebende Makroökonomie gibt, und Roger Garrison „Time and Money“ aufgrund der Bedeutung der Zeit für die Geldtheorie.

Eine Alternative für die größte Krisenquelle

Österreicher und ihnen nahestehende Geldtheoretiker und -historiker gehen noch einen Schritt weiter. Sie plädieren für eine Abkehr vom herrschenden Zentralbanksystem mit einem ungedeckten Papiergeldmonopol. Zentralbanken sind defizitäre Institutionen – als Inflation schürende Behörden und privilegierte Monopolisten, deren Technokraten unter strukturellem Wissensmangel leiden und sich leicht vereinnahmen lassen. Einer der bedeutendsten amerikanischen Publizisten der 1940er und 1950er Jahre – Henry Hazlitt – trat während des Verfalls des Goldstandards für dessen Erneuerung ein. Bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus war Bankenfreiheit (Free Banking) eine weithin diskutierte und erfolgreich praktizierte Form der Geldproduktion. Nachdem Vera C. Smith Ende der 30er Jahre das Thema wiederbelebt hatte und Hayek Mitte der 1970er Jahre mit seinem Plädoyer für eine Entnationalisierung der Währungen für Aufsehen sorgte, haben insbesondere Lawrence Wright und George Selgin wichtige Forschungsarbeit zu Zentralbankalternativen geleistet. Es mag etwas dramatisch klingen, gleichwohl ist das Urteil bedenkenswert: Das Schicksal der freien Welt hängt nicht zuletzt von einer Reform des Geldsystems ab. Schließlich haben Regierungen in der Geschichte kontinuierlich das gesetzliche Zahlungsmittel missbraucht und der Marktwirtschaft schwere Schäden zugefügt.

Weitere Expertisehappen

Die Expertisevielfalt der Österreichischen Schule reicht noch weiter. An dieser Stelle ist lediglich Raum für summarische Hinweise. Österreicher verfügen über Ansätze einer Bürokratietheorie, die die substanziellen Unterschiede zwischen staatlicher und privater Tätigkeit aufzeigt, einschließlich der mangelhaften Koordinationsfähigkeit und Leistungsmessung von Bürokratien. Österreicher und mit ihnen verbundene Wissenschaftler haben eine facettenreiche Kritik von Interventionismus und Regulierung vorgelegt. Stellvertretend sei Robert Higgs (Independent Institute) erwähnt, der mit dem empirisch unterlegten Konzept der Regime uncertainty auf Unsicherheit schürende und damit lähmende Wirtschaftspolitik hinweist. Eine Ethik der Kooperation hat Henry Hazlitt entwickelt; er bezeichnet sie als Kooperationismus. Von Ludwig von Mises stammt eine Erkenntnistheorie der Geschichte, die an die Stelle eines Geschichtsdeterminismus eine Philosophie der Geschichte setzt. Der Historiker Ralph Raico hat Beiträge zu einer Geschichte der Freiheit verfasst. In der Aussen-, Sicherheits- und Entwicklungshilfepolitik hat der noch recht junge Wissenschaftler Christopher Coyne bereits wichtige Arbeiten vorgelegt. Sie lassen sich mit dem Titel eines seiner Bücher zusammenfassen: Doing Bad by Doing Good. Coyne plädiert für Freihandel, arbeitet die kontraproduktiven Folgen von Militäreinsätzen – über Bumerangeffekte auch für das Inland – heraus und wirbt dafür, Entwicklungsländer sich unternehmerisch entwickeln zu lassen.

Donald J. Boudreaux, langjähriger Dekan der Wirtschaftswissenschaften der George Mason University, ist der ungekrönte König der Leserbriefe. Aus aktuellem Anlass argumentiert er nicht zuletzt unermüdlich gegen Protektionismus und ein verqueres Verständnis von Handelsbilanzdefiziten. Sein Partner im Blog „Café Hayek“ und früherer Kollege Russell Roberts ist ein Meister des wissenschaftlichen Interviews wie wöchentlich auf Econtalk zu hören ist.

Trotz alledem haben es die Österreicher nach dem Abtreten der großen Denker (und Nobelpreisträger) nicht in ausreichendem Masse geschafft, in führenden Journals zu publizieren. Dem steht nicht nur der verbale Formalismus anstelle des gebräuchlichen mathematischen entgegen. In mancherlei Hinsicht erscheint die Österreichische Schule wissenschaftlich nicht wettbewerbsfähig genug zu sein. Das könnte sich mit der heranwachsenden jungen Generation ändern. Das Programm von Wandel und Anpassung, Entwicklung und Fortschritt, von institutioneller Erneuerung und Evolution ist zeitlos und angesichts der institutionellen Krisen in Europa und der westlichen Welt hochaktuell.

Michael von Prollius

Dr. Michael von Prollius ist Ökonom. Er hat Betriebswirtschaftslehre und Geschichte in Bayreuth und Berlin studiert und hat an der FU Berlin in Geschichte promoviert.