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Hazlitt, Henry

Von Michael von Prollius

Henry Hazlitt war einer der herausragenden Publizisten in den USA der 1940er und 1950er Jahre und der vielleicht größte Freiheitspublizist des 20. Jahrhunderts. Als Autodidakt und echter Selfmademan verbrachte er sein Leben lang mit dem Selbststudium der Ökonomie und Wirtschaftspublizistik. Hazlitt war vielseitig tätig, als Literaturkritiker, Journalist und Herausgeber, Ökonom und Philosoph. Meilensteine sind seine Tätigkeiten für die New York Times von 1934 bis 1946 und anschließend für Newsweek, wo er zwanzig Jahre lang seine berühmte Kolumne „Business Tides“ schrieb. Als ökonomischer Publizist war er im 20. Jahrhundert vielleicht so brillant wie sein Vorbild Frédéric Bastiat im 19. Jahrhundert.

Biographie

Henry Hazlitt wurde am 28.11.1894 in Philadelphia geboren und wuchs in Brooklyn, New York auf. Bereits früh musste er arbeiten, um seine verwitwete Mutter zu unterstützen, u.a. als Sekretär des geschäftsführenden Herausgebers des Wall Street Journal. Für mehr als ein einjähriges Studium am College of the City of New York reichten Zeit und Geld nicht. Sein Wunsch, in Harvard zu studieren, blieb unerreichbar.

Bereits 1916 veröffentlichte Hazlitt im Alter von 21 Jahren sein erstes Buch „Thinking as a Science.“ In den 1920er Jahren reihten sich journalistische, redaktionelle und Managementtätigkeiten nicht zuletzt als Literaturkritiker bei New Yorker Zeitungen, darunter  New York Mail, Wall Street Journal, New York Herald und New York Sun sowie die Zeitschrift The Nation. Mit „The Anatomy of Criticism: A Trialogue“ erschien 1933 eine trialogische Darlegung der Grundlagen, Ziele und Theorien von Literaturkritik.

In der Zeit von 1934-1946 wuchs seine öffentliche Wirkung kontinuierlich durch seine Tätigkeit als Redaktionsmitglied der New York Times. Hazlitt schrieb zahlreiche ökonomische und finanzpolitische Kommentare und Leitartikel. Als prominenter Rezensent in der Sonntagsausgabe machte er unter anderem den ins Englische übersetzen Band „Socialism“ („Die Gemeinwirtschaft“) von Ludwig von Mises der amerikanischen Öffentlichkeit bekannt. Hazlitt erleichterte Ludwig von Mises den Start in New York u.a. durch die Vermittlung einer Lehrtätigkeit an der New York University. Friedrich August von Hayeks Buch „The Road to Serfdom“ wurde durch Hazlitts Bemühungen um eine Kurzfassung in Reader’s Digest und seine Rezension in der New York Times zum Bestseller.

1946 erschien „Economics in one lesson. The shortest and surest way to understand basic economics“ mit einer Erstauflage von 700.000 Exemplaren und einer Gesamtauflage von mehreren Millionen Exemplaren bis heute. Insbesondere in den 1940er und 50er Jahren wird Hazlitt zur führenden liberalen Stimme in den USA gegen Sozialismus, Etatismus, staatliche Planung und Lenkung, für den Goldstandard und eine freie Marktwirtschaft.

Hazlitt war Gründungsmitglied der Mont Pelerin Society (1947) und von 1946-1966 nach dem Wechsel zu Newsweek 20 Jahre lang Kolumnist der berühmten „Business Tides“.

1950 gründete er mit John Chamberlain die lange einzige liberale Zeitschrift The Freeman, die 1956 von dem liberalen Think Tank Foundation for Economic Education übernommen wurde. 1960 erscheint mit „The Failure of the ‚New Economics’“ (Das Fiasko der Keynesianischen Wirtschaftslehre. Eine Analyse ihrer Fehlschlüsse) eine Widerlegung des Hauptwerkes des Keynesianismus. Und 1964 mit „The Foundations of Morality“ eine Ethik des strikten Regel-Utilitarismus in Form einer integrierten Theorie aus Recht, Moral und Gewohnheiten, die Hazlitt „ethics of cooperatism“ nennt. Hazlitts letztes Buch „The Wisdom of the Stoics“ erschien 1984 und 1987 sein letzter wissenschaftlicher Artikel.

Henry Hazlitt starb in hohem Alter am 09.07.1993 in New York.

Freiheitsfreunde über Hazlitt

Hazlitt war mit allen Libertären seiner Zeit vertraut, darunter Leonard E. Read, Isabel Paterson und Rose Wilder Lane, der bereits erwähnte John Chamberlain, ferner William F. Buckley, Lawrence Fertig und viele andere. Mit Ayn Rand war Hazlitt befreundet, H.L. Mencken hatte ihn als seinen Nachfolger in der Herausgeberschaft des Mercury vorgeschlagen. Als Gründungsmitglied gehörte er der Mont Pelerin Society an.

Was sagen andere über Hazlitt? Für Paul Charles Milazzo, der die Business Tides Kolumnen in einem einzigen Band von 850 Seiten herausgegeben hat, war Henry Hazlit der wichtigste Wirtschaftspublizist der USA. Murray N. Rothbard konstatierte: „Bevor ich von Mises hörte, kannte ich Henry Hazlitt. Als ich mich erstmals für freie Marktwirtschaft interessierte, während und nach dem Zweiten Weltkrieg, war Henry überall – in Newsweek, im Radio und später Fernsehen – klar, aussagekräftig, geistreich und entschieden, mit der Botschaft der freien Marktwirtschaft. Und er war der einzige.“ Ludwig von Mises bezeichnete Hazlitt als „das ökonomische Gewissen unserer Nation“ und als „herausragenden Ökonomen unserer Zeit“. Und Milton Friedman schätzte Hazlitts Urteil so sehr wie das von kaum jemandem sonst. Selbst Paul Samuelson studierte Wirtschaft, weil er einen Artikel von Hazlitt gelesen hatte.

 

Der große Freiheitspublizist

Henry Hazlitt war ein publizistisch begnadeter und fachlich bestechend konsequenter Verteidiger von Marktwirtschaft und Freihandel, Goldstandard und klassisch liberalen Prinzipien. Er wurde als führende Stimme in den USA gegen Sozialismus, Etatismus, staatliche Planung und Lenkung gehört. Das galt auch für die Debatte um die überbordenden keynesianischen Einflüsse – Hazlitt bezeichnete die keynesianische Ökonomie als „eine der größten intellektuellen Skandale unserer Zeit.“ Er konnte sich auf die von ihm verfasste, gründliche Auseinandersetzung mit der „Allgemeinen Theorie“ von Keynes stützen, die er Seite für Seite widerlegte („Das Fiasko der Keynesianischen Wirtschaftslehre“).

Hazlitt war Anfang der 1950er Jahre in den USA omnipräsent: im Radio, im Fernsehen, in den Printmedien; seine Bücher erreichten, auch über Reader’s Digest Fassungen, Millionen Menschen. Hazlitt debattierte mit hochrangigen Personen seiner Zeit, darunter Vizepräsidenten und Außenminister. 1950 gründete er zusammen mit John Chamberlain die Zeitschrift „The Freeman“, die lange Zeit die einzige konsequent liberale Zeitschrift blieb.

1946 schrieb er in nur drei Monaten neben seinen journalistischen Verpflichtungen sein bekanntestes Buch: „Economics in one lesson“. Insgesamt wurden 700.000 Stück der ersten Auflage verkauft. Weltweit verkaufte sich die wirtschaftspolitische Einführung in die Grundprinzipien von Marktwirtschaft und Interventionismus bereits bis zum Ende der siebziger Jahre millionenfach. Die zeitlose Lektion lautet: Die Kunst guter Wirtschaftspolitik, besteht darin, nicht nur die aktuellen, sondern vielmehr die langfristigen Wirkungen der Politik zu betrachten; zugleich gilt es die Folgen der Politik nicht nur für eine Gruppe, sondern für alle Gruppen zu berücksichtigen, weshalb gute Wirtschaftspolitik allgemeingültig sein muss. Offenkundig können staatliche Eingriffe zwar kurzfristig erwünschte Zustände bewirken, langfristig stiften sie aber immensen Schaden, der über das Ausmaß des beklagten, auslösenden Zustandes weit hinausgeht. Mindestlöhne sind hierfür ein Beispiel. Hazlitt wurde vom Erfolg des Buches überrascht. Friedrich August von Hayek bezeichnete es als „brillant“; er kenne kein Buch, von dem man so viel über die Grundsätze der Ökonomie in so kurzer Zeit lernen könne.

Hazlitt selbst schätzte, dass er etwa 10 Millionen Wörter geschrieben habe und seine gesammelten Werke 150 Bände umfassen würden. Er war ein dezidierter Gegner des Marshallplans und warnte vor der Inflation, bevor sie sichtbar um sich griff. Er begründete facettenreich, warum nur Marktwirtschaft zur Überwindung von Armut geeignet ist und verwarf Grundeinkommen und progressive Steuern. Hazlitt warnte 1969 vor dem Ausufern des Wohlfahrtsstaates, dessen Existenz er für das Ende des 19. Jahrhunderts aufzeigte. In seinem Roman „Time will run back“ zeigte er die Konsequenzen eines voll entwickelten Sozialismus auf: die Rückentwicklung der Zivilisation. Hazlitts Erfolgsgeheimnis lag in der Verbindung von bemerkenswerter Expertise mit einer eleganten und massentauglichen Darstellung, die durch Qualität, Klarheit und Kürze bestach.

Hazlitt urteilte, dass er kein Ökonom war, der Neues entdeckt habe, dafür aber jemand, der die orthodoxen Lehren der Ökonomie seit Adam Smith gegen die „Neue Ökonomie“ verteidigt habe: „Alte Wahrheiten wieder zu entdecken, kann häufig genauso hilfreich sein wie neue zu entdecken.“ Hazlitt sah die freie soziale Kooperation als Kern der Moral an, da die Tauschwirtschaft die Akzeptanz moralischer Regeln voraussetze. Ein System freier Marktwirtschaft und freien Unternehmertums könne nur innerhalb einer Ordnung von Recht und Moral funktionieren. Und der soziale Austausch könne Sympathie und Freundschaft erzeugen, die zu den schönsten menschlichen Erfahrungen zählen.

Ludwig von Mises würdigte Hazlitt an dessen 70. Geburtstag: „In dieser Zeit des großen Ringens für Freiheit und eine Gesellschaft, in der Menschen als freie Menschen leben können, sind sie unser Anführer.“

Literatur

Henry Hazlitt (1946): Economics in One Lesson. The shortest and surest way to understand basic economics, New York.

Henry Hazlitt (1960): Das Fiasko der Keynes’schen Wirtschaftslehre, Eine Analyse ihrer Fehlschlüsse, Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main (englische Erstauflage 1959 unter dem Titel: The Failure of the „New Economics“ ).

Henry Hazlitt (1969): Man vs. the Welfare State

Michael von Prollius (2016): Der Starkolumnist der Freiheit. En Henry Hazlitt Brevier, Zürich

Michael von Prollius

Dr. Michael von Prollius ist Ökonom. Er hat Betriebswirtschaftslehre und Geschichte in Bayreuth und Berlin studiert und hat an der FU Berlin in Geschichte promoviert.