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Macaulay, Thomas B.

Von Walter Olson, mit freundlicher Genehmigung von libertarianism.org

Thomas Babington Macaulay (1800-1859) war wohl der einflussreichste aller britischen klassischen Liberalen und ein renommierter Historiker, der für seine kraftvolle Prosa bekannt ist. Sein umfassendes Werk zur Geschichte Englands war eine Sensation, als sie zum ersten Mal erschien und etablierte sich bald als Standardwerk zu diesem Thema. Seine kritischen und historischen Aufsätze sind beispielhaft für überzeugendes Schreiben. Seine Schriften begeisterten lange nach seinem Tod eine weltweite Leserschaft. Zu den Hauptthemen von Macaulays Arbeit gehörten die Grausamkeiten und Dummheiten willkürlicher Regierungen, der Schaden durch religiöse Unruhen und den Geist der Verfolgung sowie die transformative Kraft des wissenschaftlichen Fortschritts und der wirtschaftlichen Freiheit.

Macaulays Hauptwerk, seine mehrbändige „Geschichte Englands seit dem Regierungsantritt Jakobs II.“, konzentriert sich auf die Ereignisse rund um die Glorious Revolution von 1688, die den langen Kampf zwischen „Königshof“ und „Land“ – zwischen den Kräften der königlichen und staatlichen Herrschaft und denen, die dem englischen Volk das Recht auf Selbstverwaltung einräumten – mit unvergleichlichem erzählerischem Geschick aufzeichnet. Obwohl Macaulay begeistert den Triumph der Freiheit feierte, beschäftigte er sich wenig mit abstrakten Theorien über die richtige Rolle der Regierung. Stattdessen war er der Ansicht, dass die „englische Freiheit“ widerstandsfähig geworden war durch beständige Angriffe. Durch viele Bedrohungen hindurch und den Widerstand dagegen hatte sich sozusagen eine Art hartnäckiges Narbengewebe gebildet. Dieses war umso ausgeprägter und solider, je stärker die Mächtigen vergeblich versucht hatten, in das Leben der Menschen einzugreifen.

Die große Popularität des Buches bei den Lesern ist vor allem auf die lebhaft gezeichneten Einzelporträts zurückzuführen: die eitlen und törichten Stuart-Könige, der rachsüchtige Richter Jeffreys von den „Bloody Assizes“ und viele mehr. Obwohl Macaulay häufig als unfair gegenüber seinen Gegnern kritisiert wurde, zeigen viele seiner Charakterisierungen aufrechte und bewundernswerte Figuren auf der Tory-Seite sowie Schurken und Dummköpfe in seinem eigenen Whig-Lager.

Macaulay, der stets von der Bedeutung wirtschaftlicher Freiheit überzeugt war, zeigt in seiner Geschichte, wie sehr die wirtschaftliche und bürgerliche Freiheit miteinander verflochten sind. Der Kampf gegen die willkürliche Besteuerung brachte viele Vorteile im Kampf gegen die Willkürherrschaft im Allgemeinen. Der Kampf zur Einschränkung unbegrenzter Durchsuchungen und Beschlagnahmungen stellte einen wichtigen Teil des Widerstands der Bevölkerung gegen Zölle und königliche Monopolgewährung dar. Nur wenige Schriftsteller haben der Vorstellung, dass das Leben für die englischen Massen nach der industriellen Revolution schlechter war als zuvor, vehementer widersprochen. In dem berühmten Kapitel seiner Geschichte über den Zustand der Nation im Jahr 1685 beschrieb er Seite für Seite das große Elend der damaligen Zeit in Bezug auf Nahrung, Unterkünfte, Straßen, Kommunikation, sanitäre Einrichtungen, Verderbtheit der Regierungsführung und Allgegenwärtigkeit von Unordnung und Verbrechen.

In seiner eigenen Zeit verteidigte Macaulay in seinen Aufsätzen den Freihandel und die Fabrikarbeit. Damals wie heute griffen Kritiker die zunehmende Arbeitsteilung und die exportgetriebene wirtschaftliche Globalisierung an. Diese, so argumentierten sie, würde gewöhnliche Arbeiter verarmen lassen und traditionelle Bindungen der Gemeinschaft um des Geldes Willen auflösen. Sie behaupteten, der industrielle Fortschritt habe romantische, alte Bauernlandschaften durch unansehnliche moderne Konstruktionen ersetzt und eine neue Klasse, die vulgäre Bourgeoisie, zur kulturellen Dominanz erhoben. In seiner Antwort zeigte Macaulay anhand wichtiger Statistiken, dass Armuts- und Sterblichkeitsraten in den Teilen Englands, in denen die neue verarbeitende Wirtschaft am weitesten vorangeschritten war, am schnellsten gefallen waren.

Er wies ferner die Vorstellung zurück, dass die neue, vermeintlich vergnügungssüchtige und selbstsüchtige, wohlhabende englische Stadtbevölkerung einen Verfall des nationalen Charakters darstellte, den eine paternalistische Regierung zu beheben versuchen sollte. „Die Pflichten der Regierung“, schrieb er: „wären paternalistisch, wenn eine Regierung so viel weiser wäre als das Volk als es selbst der törichteste Vater eine Zeit lang gegenüber dem intelligentesten Kind ist. Und wenn eine Regierung ein Volk lieben würde, wie Väter ihre Kinder im Allgemeinen lieben. Aber es gibt keinen Grund zu glauben, dass eine Regierung entweder die väterliche Wärme der Zuneigung oder die väterliche Überlegenheit des Intellekts jemals haben wird.“

Macaulay stritt sich mit christlichen Konservativen, die die Säkularisierung beklagten, die das Land zur Zeit der Thronbesteigung Königin Victorias erreicht hatte. Sie argumentierten, dass die Religion als Grundlage der Regierung angesehen werden sollte. Er antwortete, dass sowohl Ungläubige wie alle anderen auch sehr daran interessiert waren, dass ihre Waren nicht gestohlen oder ihre Häuser überfallen wurden. Daher „wäre es schwer zu begreifen, in welchem Sinne Religion als die Grundlage der Regierung angesehen werden kann, wenn Religion nicht auch die Basis für Essen, Trinken und Feuermachen ist.“ Zu den grundlegendsten Themen seines Buches gehört die fast unendliche Serie von Katastrophen, die die religiöse Intoleranz über die englische Nation gebracht hat. Alle wichtigen Konfessionen (Anglikaner wie Katholiken) griffen wann immer sie konnten zum Instrument der Verfolgung Andersgläubiger. Trotzdem gelang es keiner Fraktion, eine Mehrheit für ihre Lehren zu versammeln, woraufhin die religiöse Toleranz als eine Art letzter Ausweg auftauchte.

Macaulays umfangreiche parlamentarische und öffentliche Karriere ist am stärksten in Erinnerung geblieben wegen seiner Verteidigung von Minderheitsreligionen, der Befreiung der Westindischen Inseln vom Sklavenhandel, der Etablierung eines modernen Urheberrechts und der Reform der indischen Regierung, die er mit einem rationalen Strafrecht und einem System der Bildung auf der Grundlage der englischen Sprache ausgestattet hat.

Walter Olson

Walter Olson ist Senior Fellow für Verfassungsrecht am Cato Institute