Spontane Ordnung

Franco Pecchio from flickr (CC BY-SA 2.0)

Von Norman Barry mit freundlicher Genehmigung von libertarianism.org.

Die Theorie der spontanen Ordnung ist passenderweise in der Geschichte der Sozialwissenschaften verortet. Tatsächlich entsteht aus der Theorie der spontanen Ordnung der einzige Zweig der Gesellschaftstheorie, der als genuin wissenschaftlich bezeichnet werden kann. Dieser wissenschaftliche Charakter findet sich etwa in der Mikroökonomie,  wo die Theorie des Marktes beschreibt, wie das freiwillige Handeln einzelner Individuen eine vorhersagbare Ordnung erzeugt, mittels derer sich alle Merkmale der modernen Wirtschaft erklären lassen. Die Hauptmerkmale einer solchen Ordnung sind nicht das Design einer Person oder einer Institution, sondern entstehen spontan durch das Handeln der eigene Interessen verfolgenden Individuen. Versuche, ein Wirtschaftssystem wie den Sozialismus zu gestalten, werden von Hayek als konstruktivistischer Rationalismus verurteilt.

Die Theorie der spontanen Ordnung umfasst aber mehr Bereiche als die Ökonomie, und versucht eine ganze Reihe an Phänomenen zu erklären, wie das Recht. Da wesentliche Institutionen scheinbar natürlich geschaffen wurden, gibt es wenig, was die Regierung tun muss. Die Theorie leitet sich jedoch aus einer neuartigen Unterscheidung zwischen Natur und Konvention ab. Bestimmte Phänomene, wie das Wetter, sind rein natürlich und unveränderlich, während andere konventionell und leicht veränderbar sind, wie ein Gesetz. Aber es gibt eine dritte Art von Phänomenen, etwa den Markt, die nicht ganz natürlich sind, aber keineswegs rein konventionell und die nicht übersehen werden dürfen.

Von besonderer Bedeutung für die Theorie der spontanen Ordnung ist der wirtschaftliche Gebrauch der Vernunft. Ihre Vertreter sind insofern Antirationalisten, als dass sie eine effektive soziale Ordnung nicht als Ergebnis einer bewussten Planung verstehen, sondern als Produkt von Instinkten, Gewohnheiten, Erfahrungen und, am wichtigsten, Evolution. Diese Theoretiker argumentieren, dass traditionelle Verhaltensstrategien, die sich allmählich entwickelt haben, allen am Reißbrett a priori entstandenen Systemen überlegen sind. Ein Schlüsselelement ist die konzeptionelle Unterscheidung zwischen Recht und Staat. Das Recht entwickelt sich spontan, während der Staat völlig künstlich ist. Die Theorie der spontanen Ordnung hängt nicht von besonderen Eigenschaften des Individuums zur Herstellung sozialer Stabilität und Vorhersagbarkeit ab. Während der klassische Republikanismus den Einzelnen auffordert, seine privaten Interessen dem Gemeinwohl unterzuordnen, konkludiert die Theorie der spontanen Ordnung, dass Gemeinwohl aus eigennützigen Motiven entsteht: Es ist eine unbeabsichtigte Folge menschlichen Handelns. Diese unbeabsichtigten, weitgehend zufällig auftretenden Folgen sind von Vorteil und werden dann imitiert.

Obwohl Freiheit von großer sozialer Bedeutung ist, hat sie nicht notwendigerweise moralischen Wert. In der Theorie der spontanen Ordnung fungiert Freiheit als Koordinationsmechanismus unterschiedlicher menschlicher Ziele. Gleiches gilt für den Individualismus, der auch ein Mechanismus zur Erreichung unterschiedlicher menschlicher Ziele ist. Obwohl die Theorie der spontanen Ordnung den Individualismus annimmt, bleibt sie methodologisch rigoros, ist weder willkürlich noch nihilistisch.

Die Theorie der spontanen Ordnung zerlegt alle sozialen Handlungen in individuelle Handlungen. Konzepte wie ,die Gesellschaft‘ sind Kurzbezeichnungen für etliche individuelle Handlungen. Obwohl die Theorie soziale Aggregate erklärt, sind diese Aggregate auf ihre individuellen Bestandteile reduzierbar. Trotz grundlegender Einigkeit zwischen Liberalen über die Korrektheit der Theorie, gibt es Differenzen über das Ausmaß ihrer Erklärungskraft und darüber, ob ihr Antirationalismus möglicherweise die Naturrechtstradition untergräbt, da diese Vernunft voraussetzt, um zwischen moralischen und unmoralischen Handlungen zu unterscheiden.

Meist werden die Ursprünge der Idee bei den schottischen Aufklärern des 18. Jahrhunderts gesucht, aber lange vorher schon schrieb der antike chinesische Philosoph Zhuangzi über die Gesellschaft als einen natürlichen Prozess ohne große zentrale Direktion. Er schrieb, dass „jeder Einzelne seine eigenen Vorlieben verfolgen sollte… Man wird zum Ideal des Nichtherrschens und zu der Methode geführt, die Welt allein zu lassen.“ (…)

Im Spätmittelalter finden sich die ersten ausgefeilten Formulierungen der Theorie in den Schriften der Schule von Salamanca. Obwohl ihre geistigen Wurzeln aristotelische sind, waren diese Jesuitenpriester des 16. Jahrhunderts in der Lage, diese eigentlich wenig vielversprechende Lehre an die Merkmale einer Marktwirtschaft anzupassen. Ihre Theorie der spontanen Ordnung geht fast ausschließlich auf das Verständnis einer Marktwirtschaft zurück, die durch den Preismechanismus, subjektive Werttheorie sowie Angebot und Nachfrage gekennzeichnet ist. Gegenüber der vorherrschenden Produktionskosten- oder Arbeitswerttheorie, die sich aus dem christlichen Naturrecht ableitet, war die Salamanca-Schule überzeugt, dass der gesamte wirtschaftliche Wert aus einer subjektiven Entscheidung hervorging, und kam zu dem Schluss, dass die Werttheorien der Produktionskosten eine unzureichende Begründung für die Erhöhung der Preise über das markträumende Niveau liefert. Autoren wie Molina identifizierten den „gerechten“ Preis mit dem Wettbewerbspreis. Obwohl noch keine Idee von Grenztheorie vorhanden war, hatten die Ökonomen genug grundlegendes wirtschaftswissenschaftliches Verständnis, um die spontanen, sich selbst korrigierenden Prozesse des freien Austauschs zu erklären und positiv zu bewerten.

Eine wichtige Errungenschaft der Salamanca-Schule war die Entdeckung der Quantitätstheorie des Geldes. (…) Molina und andere Schriftsteller aus Salamanca entwickelten eine Theorie der Inflation, die zur Rechtfertigung des Bankgeschäfts führte; die Gewinne aus dem Devisenhandel seien nicht wucherisch, argumentierten sie, weil sie zur Produktion beitrügen und nicht gegen das Naturrecht verstießen – trotz der Tatsache, dass sowohl Zivil- als auch Kirchenrecht Wucher verboten.

Dass sich die automatischen Koordinierungs- und Selbstkorrekturmechanismen in der Gesellschaft nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf andere Bereiche erstreckten, war schon immer zentrales Motiv der Theorien der spontanen Ordnung. Im 17. Jahrhundert wandte Sir Matthew Hale die Theorie auf das Common Law an, und schloss, dass das Recht nicht aus abstrakter Vernunft resultiert, sondern vielmehr praktisches Denken erfordert – die erfahrungsbasierte Anwendung allgemeiner Prinzipien auf konkrete Einzelfälle. Es ist besser, sich auf einige stabile und bekannte Regeln zu verlassen, „obwohl kein besonderer Grund für sie offenbar zu sein scheint.“ (…)

Die Theorie der spontanen Ordnung implizierte, dass aus eigennützigem, nicht in direkter Beziehung zum Gemeinwohl stehendem Handeln dezentraler Individuen Ordnung entstehen könnte. Doch die politische Philosophie war immer davon ausgegangen, dass das Streben nach dem Gemeinwohl die Zurückweisung des Eigeninteresses benötigt. Daher ist eine Theorie erforderlich, die das Eigeninteresse mit sozial wertvollem Handeln in Einklang bringt. Die Grundlagen für diesen Ansatz wurden von Bernard Mandeville gelegt. Er war der Autor der scheinbar „amoralischen“ Die Bienenfabel (1714). Mandeville schrieb zu einer Zeit moralischer Leidenschaft, als der Egoismus verurteilt und die Menschen aufgefordert wurden, selbstlos zu handeln, also ihr Eigeninteresse zugunsten des öffentlichen Interesses zu opfern. Mandeville behauptete, dieses Unterfangen sei eitel und sinnlos und Eigeninteresse führe unbeabsichtigt zu sozialem Wohlbefinden. Wenn die “Bienen” egoistisch handelten, schufen sie Arbeitsteilung, den freien Markt sowie internationalen Handel. Diese Lektion führte ihn dazu, Tugend und Kommerz zu vergleichen und den Egoismus zu loben: „So war jeder Teil voller Laster/doch die ganze Masse ein Paradies.“ Die Handlungen der Schlechtesten trugen etwas Wertvolles bei. „Die Schlimmsten von allen/Taten etwas für das Gemeinwohl.“

Mandeville gab jedoch keine weitergehende Erklärung, wie Eigeninteresse soziale Harmonie in Wirtschaft und Gesellschaft erzeugen könnte. Dieses Problem wurde von David Hume gelöst, der zwar die rationalen Grundlagen der Ethik zerstörte, aber dennoch in der Lage war, eine überzeugende, für eine spontane Ordnung angemessene Moral zu offerieren. Er versuchte die Reichweite der Vernunft „kürzen“. Er behauptete, dass „es nicht gegen die Vernunft verstoße, die Zerstörung der Welt einem Ritz in meinem Finger vorzuziehen“, aber dieses Paradoxon schloss nicht aus, die Funktionsfähigkeit der spontanen Ordnung zu zeigen. Darüber hinaus stellte sich Hume das Eigeninteresse als mehr oder weniger konstant vor: „Da es unmöglich ist, etwas Wesentliches in unserer Natur zu ändern oder zu korrigieren, ist das einzige, was wir tun können, die Einhaltung der Gesetze der Gerechtigkeit zu unserem nächsten Interesse und ihre Verletzung am entferntesten zu machen.“

Hume beobachtete, dass wir die Gesetze der Gerechtigkeit durch ständige Interaktion, Handel mit anderen, lernen, was schnell zur Festlegung von drei sozialen Regeln konventionellen Ursprungs führt – der Stabilität des Eigentums, seiner Übertragung durch Zustimmung und der Erfüllung von Verträgen. Während Hobbes das soziale Spiel als eine einmalige Geschichte betrachtete, in der verzweifelte Menschen alle ihre Rechte an einen Herrscher abtreten, sah Hume wiederholte Spiele, in denen Menschen die Vorteile der Zusammenarbeit erlernen. Die Natur dieser Regeln ändert sich jedoch nicht; sie leiten sich von „der begrenzten Großzügigkeit des Menschen zusammen mit der knappen Vorsorge ab, die die Natur für seine Bedürfnisse bietet.“ Die Konventionen, die sich durch wiederholte soziale Interaktion entwickeln, sind künstlich, aber für den Menschen dennoch natürlich. Die Menschen entwickeln auch die Fähigkeit zur Reziprozität, wonach egoistische Menschen ihre Interessen durch gelegentliche Großzügigkeit fördern können: „Ich lerne, einem anderen zu dienen“, schrieb er, „ohne wirklich freundlich zu sein, denn ich sehe voraus, dass (der andere) meinen Dienst erwidern wird.“

Adam Smith, wie Hume, betrachtete die Rolle der Vernunft in menschlichen Belangen sehr skeptisch, insbesondere Versuche, die Gesellschaft abstrakt zu planen: Der Gesetzgeber habe nicht das lokale Wissen, welches ein freier Mensch in seinen Handlungen verwendet. Die meisten wertvollen sozialen Institutionen seien nicht das Produkt der Vernunft. Die Arbeitsteilung ist nicht der Auswuchs menschlicher Weisheit, sondern die notwendige Folge einer „gewissen Neigung, eine Sache gegen eine andere zu tauschen.“ Im Allgemeinen werde, wenn Menschen ihre natürliche Freiheit ausüben dürfen, eine weitaus komplexere soziale Ordnung entstehen, als durch bewusste Gestaltung möglich. Tatsächlich war Smith sich bewusst, dass das soziale Wohlergehen das Ergebnis unbeabsichtigten Handelns war. Er schrieb über den Menschen, dass er „durch die Ausübung seines eigenen Interesses… häufig das der Gesellschaft wirksamer fördert, als wenn er beabsichtigt, es zu fördern.“ Er stellte fest, dass der Markt das menschliche Handeln spontan koordinierte und der Staat seine Effizienz nicht verbessern konnte: „Keine Regulierung des Handels kann die Größe einer Industrie in irgendeinem Teil der Gesellschaft über das hinaus erhöhen, was ihr Kapital aufrechterhalten kann.“

Spontaneität – ohne bewusste Intervention – war Smith jedoch nicht ausreichend. Ergo entwickelte er eine Theorie der öffentlichen Güter, die zu produzieren keinem privaten Akteur nützen würde. Aufgrund seiner Bedenken, obsessives Interesse am Handel könne die Gemeinschaft untergraben und unsoziale Effekte hervorrufen, modifizierte er seinen antirepublikanischen Individualismus. Menschen könnten sich entfremden und jene Regeln, die für die Aufrechterhaltung der spontanen Ordnung notwendig sind, nicht verinnerlichen. Darüber hinaus sah Smith nie die Vorteile bestimmter spontan entstandener kommerzieller Institutionen, wie z.B. der Aktiengesellschaft. Trotz dieser Einschränkungen präsentierte Smith ein überzeugendes Argument für spontane Ordnung.

Neben Hume und Smith schrieb auch der schottische Sozialphilosoph Adam Ferguson in der antirationalistischen Tradition. Er betrachtete die Gesellschaft als eng mit dem Menschen verbunden und seine Bindung daran als etwas, das sich „aus den Instinkten, nicht aus den Spekulationen der Menschen“ ergibt. Gesellschaften, so Ferguson, schreiten in einem Evolutionsprozess voran, und „die Nationen stoßen auf Einrichtungen, die zwar das Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht die Ausführung irgendeiner menschlichen Planung sind.“ Ein besonders wichtiger Faktor im evolutionären Prozess war die Entwicklung und der Schutz des Privateigentums. (…)

Unter eher jüngeren Schriftstellern wurde der Begriff der spontanen Ordnung von vielen modernen Ökonomen aufgegriffen, vor allem von den Autoren der Österreichischen Schule. Carl Mengers Untersuchungen über die Methode der Socialwissenschaften und der Ökonomie insbesondere richteten sich gegen die historische Schule, welche die Gültigkeit abstrakter, universeller Gesetze der Ökonomie leugnete, indem sie behauptete, dass sich die Ökonomik mit historischen Wahrheiten beschäftige, die durch Zeit und Umstände begrenzt seien. Menger nutzte die Theorie der spontanen Ordnung, um seine Schlussfolgerungen über die universellen Gesetze der Ökonomie zu stützen. Er benutzte die Methode der Abstraktion, um die Entstehung von Geld, Märkten, Sprache und Recht zu erklären. Menger nannte diese Phänomene organisch, weil sie das Ergebnis eines annähernd natürlichen Prozesses waren. Er kontrastierte sie mit pragmatischen Institutionen, die das Ergebnis menschlicher Überlegungen sind: „Märkte, Wettbewerb, Geld und zahlreiche andere soziale Strukturen sind bereits in Epochen der Geschichte anzutreffen, in denen wir nicht richtig von einer gezielten Aktivität der Gemeinschaft sprechen können… die auf ihre Etablierung ausgerichtet ist“, schrieb er. Am Beispiel des Geldes zeigte Menger, wie von Eigeninteresse gesteuerte Aktionen, zur Etablierung eines Gutes führten (…).

Menger behauptete jedoch nie dogmatisch, dass organische Institutionen den pragmatischen überlegen seien. Das Common Law, zum Beispiel, hat sich „oft genug als schädlich für das Gemeinwohl erwiesen… und die Gesetzgebung hat das Common Law genauso oft in einer Weise geändert, die dem Gemeinwohl dient.“ Dennoch lieferte Menger die Grundlagen für Friedrich A. Hayeks systematische Konstruktion einer normativen Theorie der spontanen Ordnung.

Hayeks Theorie der spontanen Ordnung folgt von seinen philosophischen Angriffen auf den Rationalismus und Szientismus. Hayek lehnte die Idee ab, dass die soziale Welt durch Gesetze analog zu den physikalischen Gesetzen regiert werde und dass die Vernunft diese aufdecken könne, sodass die Gesellschaft nach rationalen Prinzipien neu organisiert werden kann. Uns fehlt das Wissen, um jene Vorhersagen zu treffen, von denen eine solche Planung abhängt. Die Zukunft ist ungewiss, denn Wissen ist auf Millionen von Akteuren verteilt und steht keiner Person oder Institution zur Verfügung, sondern muss vom Markt koordiniert werden. Hayek beschreibt die spontane Marktordnung als ,Katallaxie’. Im Gegensatz zu einer Wirtschaft hat die Katallaxie keinen bestimmten Zweck. Sie ist einfach ein Netzwerk einzelner Akteure, Haushalte und Unternehmen, die jeweils ihre eigenen Ziele und Zwecke verfolgen. Ihre dezentralen Handlungen werden jedoch über das Tauschsystem koordiniert. Die Katallaxie basiert auf „der Abstimmung verschiedener Zwecke zum gegenseitigen Nutzen der Teilnehmer.“ Eine solche Ordnung tendiert vor allem durch Wettbewerb und Unternehmertum gen Gleichgewicht.

Die Nachkriegszeit wurde von dem einer spontanen Ordnung widersprechenden Keynesianismus dominiert: ein gut funktionierendes Wirtschaftssystem benötigt erhebliche staatliche Eingriffe. Die Inflation der 1970er Jahre bewirkte schließlich einen Wandel des Marktverständnis. Durch die allmähliche Reduktion staatlicher Interventionen sowie strafferer Geldpolitik, gewann die Idee der spontanen Ordnung mehr Achtung.

Während des Zweiten Weltkriegs erkannte Hayek, dass die Argumente für eine freie Gesellschaft nicht allein auf der Grundlage der Ökonomie gestellt werden konnten. In Der Weg zur Knechtschaft erweiterte er die Theorie der spontanen Ordnungspolitik auf die Bereiche des Rechts, der Politik und der Verfassung: Freie Handlungen, geleitet durch Verhaltensregeln, würden eine komplexe, spontane Ordnung generieren. Er beschrieb diese Regeln in zwei Hauptwerken, Die Verfassung der Freiheit und dem dreibändigen Recht, Gesetz und Freiheit. In der Verfassung der Freiheit erklärte Hayek, dass trotz der Möglichkeit eines designten Rechtssystems, welches eine freie Gesellschaft ermöglicht, die Evolution am passendsten für die Entstehung dieser Gesetze sei. Diese evolutionäre Entwicklung war beim englischen Common Law der Fall, das nie bewusst konzipiert wurde, sondern von Fall zu Fall entwickelt wurde, ohne einen Zweck zu verfolgen, der über die Befriedigung der unmittelbaren Bedürfnisse der Streitparteien hinausgeht. Das Ergebnis war eine unbeabsichtigte Ordnung, die mit einer freien Gesellschaft vereinbar war. Die bewusste Entwicklung eines Kodexes, so behauptete er, sei ein Beispiel für konstruktivistischen Rationalismus, der zum Scheitern verurteilt sei, da die Menschen nicht über genügend Wissen verfügten, um solche Regeln zu formulieren.

Die Theorie der spontanen Ordnung dient als entscheidende Grundlage jeder liberalen Gesellschaftstheorie, weil sie zeigt, dass geordnete Absprachen und kooperative Unternehmungen keine ordnende Hand erfordern, sondern dass Versuche, soziale Institutionen wie die Wirtschaft zu planen, zum Scheitern verurteilt sind.

Erstmals veröffentlicht auf libertarianism.org

Weiterführende Literatur

Barry, Norman, P. “The Tradition of Spontaneous Order.” Literature of Liberty 5 (Summer 1982): 7–58.

Constant, Benjamin. The Principles of Politics Applicable to All Governments. Dennis O’Keeffe, trans. Indianapolis, IN: Liberty Fund, 2003.

Ferguson, Adam. An Essay on Civil Society. Edinburgh: Edinburgh University Press, 1966.

Grice Hutchinson, Marjorie. Early Economic Thought in Spain. London: Allen & Unwin, 1993.

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Smith, Adam. An Enquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations. R. H. Campbell and A. S. Skinner, eds. London: Oxford University Press, 1976.

Norman Barry

Norman Barry war Autor und Professor für Politikwissenschaft an der University of Buckingham. Er studierte an der University of Exeter. Barrys Schwerpunkt war die politische Philosophie des klassischen Liberalismus. Er starb 2008.