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Bastiat, Frederic

Von Lawrence W. Reed, mit freundlicher Genehmigung von fee.org

In den letzten sechs seiner 49 Lebensjahre, die durch Tuberkulose vorzeitig beendet wurden, produzierte der klassisch-liberale Franzose Frédéric Bastiat (1801-1850) eine erstaunliche Anzahl von Büchern und Essays zur Verteidigung freier Märkte und freier Menschen. Er überragte die selbstgefälligen Intellektuellen und Politiker seiner Heimat Frankreich, von denen die meisten geistig in den alten Traditionen der staatlichen Zentralplanung der Wirtschaft des Landes feststeckten.

„Leben, Freiheit und Eigentum gibt es nicht, weil die Menschen Gesetze gemacht haben“, konstatierte er. „Im Gegenteil, es war die Tatsache, dass es vorher Leben, Freiheit und Eigentum gab, die die Menschen dazu brachte, Gesetze zu machen.“

Bastiat gab uns auch die vielleicht prägnanteste Beschreibung des Umverteilungsapparates der Regierung: „Der Staat ist die große Fiktion, durch die jeder auf Kosten aller anderen lebt.“

Wenn ein posthumer Nobelpreis nur an eine Person für kristallklares Schreiben und meisterhaftes Geschichtenerzählen in Fragen der Ökonomie vergeben würde, hätte ihn niemand mehr verdient als Bastiat. Es ist das große Unglück seiner kurzen Zeit auf dieser Erde: Während er lebte und seit jenen Tagen hat sein eigenes Land sich nie dazu verstehen können, ihm die Ehre und Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen, die er verdient hätte. Sein selbstloser Mut, zeitlose Wahrheiten auszusprechen, während fast alle um ihn herum in Irrtümern schwelgten, stellt in der Tat einen großen moralischen Sieg dar.

Bastiat wurde im Hafenort Bayonne am Golf von Biskaya in Südfrankreich geboren. Er war gerade 14 Jahre alt, als die französische Niederlage in Waterloo die Diktatur Napoleons beendete und die alte Monarchie wieder in Kraft setzte.

Mit 17 Jahren arbeitete Bastiat für das Exportgeschäft seiner Familie, wo er aus erster Hand die Absurdität des Protektionismus der französischen Regierung erlebte. Von dieser Zeit in Bastiats Leben schreibt der Ökonom Jim Powell:

„Während er keine kaufmännische Karriere anstrebte, interessierte er sich für den zivilisatorischen Einfluss des Handels und die vielen Möglichkeiten, wie Gesetze Menschen schaden. Er beobachtete zum Beispiel, wie ein neuer französischer Zoll von 1816 den Handel drosselte, was zu leeren Lagerhallen und ungenutzten Docks um Bayonne herum führte. 1819 setzte die Regierung hohe Zölle auf Mais, Fleisch und Zucker durch, so dass arme Menschen unter unnötig hohen Lebensmittelpreisen litten. Hohe Zölle auf englische und schweizerische Baumwolle führten zu einem weit verbreiteten Schmuggel.“

Bastiat erbte von seinem Großvater nach dessen Tod im Jahr 1825 ein erhebliches Vermögen und konnte es sich daher leisten, sich viel Zeit für das Denken, Lesen und Debattieren mit Freunden zu nehmen. Dies sollte einige Jahre später Bastiats gleichsam scharfsinnige wie weise Werke hervorbringen. Er wurde Anfang der 1830er Jahre in zwei kleinere öffentliche Ämter gewählt: Friedensrichter und Kreistagsabgeordneter.

Bastiat veröffentlichte seinen ersten Artikel 1844. Seine Erklärungen glänzen durch Klarheit und Verständlichkeit. Er verwendete alltägliche Sprache, Umgangssprache und eine angeborene Klarheit, die aus seiner logischen und geordneten Darstellung resultierte. Nichts, was er schrieb, war gestelzt, künstlich oder aufgeblasen. Er schrieb prägnant und immer auf den Punkt.

Er war ein klarer Gegner einer grenzenlosen Regierung. „Es ist nicht wahr“, schrieb er, „dass die Funktion des Gesetzes darin besteht, unser Gewissen, unsere Ideen, unseren Willen, unsere Bildung, unsere Meinungen, unsere Arbeit, unseren Handel, unsere Talente oder unsere Freuden zu regeln. Die Aufgabe des Gesetzes besteht darin, die freie Ausübung dieser Rechte zu schützen und zu verhindern, dass sich eine Person in die freie Ausübung dieser Rechte durch eine andere Person einmischt.“

Wirtschaftswissenschaften können heutzutage langweilig und leblos sein, gespickt mit überbordender Mathematik. Bastiat bewies, dass das nicht so sein muss, oder dass zumindest die Kernwahrheiten der Wissenschaft lebendig und unvergesslich gemacht werden können. In der Literatur betrachten wir gutes Geschichtenerzählen als Kunst, und Geschichten als mächtige Werkzeuge des Verstehens. Bastiat konnte eine Geschichte erzählen, die einen mit ihrer Brillanz geradezu durchbohrt hat.

Eine seiner denkwürdigsten Analogien stammt aus der „Petition der Kerzenmacher“, in der diese gegenüber der Regierung „den unlauteren Wettbewerb eines ausländischen Konkurrenten“ beklagen. „Der ausländische Hersteller hat einen solchen Vorteil gegenüber uns, dass er mit seinem Produkt unsere Heimatmärkte überschwemmt. Und er bietet sie zu einem utopisch niedrigen Preis an.“

Dieser Konkurrent entpuppt sich als die Sonne, die im Wettbewerb mit den Kerzenherstellern kostenloses Licht liefert. Bastiat widerlegt humorvoll den „Lösungsvorschlag“ der protektionistischen Kerzenmacher – Fenster zu verbieten oder zu verlangen, dass sie schwarz gestrichen werden – und erklärte, dass es von Vorteil für die Gesellschaft sei, all das kostenlose Sonnenlicht zu akzeptieren, das sie bekommen könne, und die Ressourcen, die sonst zu Kerzen verarbeitet würden, für andere Bedürfnisse zu nutzen.

Protektionistische Argumente wie die der Kerzenmacher wurden von Bastiat unerbittlich angegriffen. Warum sollten zwei Länder, die einen Tunnel durch ihre Berggrenze graben, um Reisen und Handel zu erleichtern, dann versuchen, ihre Vorteile zunichte zu machen, indem sie an beiden Enden belastende Steuern erheben? Wenn ein Exporteur seine Waren im Ausland für mehr verkauft, als sie im Inland wert waren, dann kauft er wertvolle Waren mit dem Erlös, um sie in seine Heimat zurückzubringen. Warum sollte jemand, der vernünftig ist, diese Transaktionen als ein „Defizit“ der Handelsbilanz verurteilen?

Bastiats Essay von 1850, „Was man sieht und was man nicht sieht“, stellte sein berühmtes Gleichnis vom zerbrochenen Fenster vor. Es ist eine brillante Darstellung dessen, was später als „Opportunitätskosten“, ein Kernkonzept der Ökonomie, bekannt wurde. Wenn jemand das Fenster einer Bäckerei einschlägt, wird die Wirtschaft im Allgemeinen nicht „stimuliert“, weil der Bäcker jetzt mit einem Glaser Geschäfte machen muss. Weniger sichtbar, aber genauso real ist die Tatsache, dass der Bäcker, um das zerbrochene Glas zu ersetzen, auf den Kauf anderer Dinge, wie z.B. eines Kleidungsstücks, verzichten muss. Der Akt der Zerstörung bedeutet einen Gewinn für den Glaser, aber dieser Gewinn wird durch die Verluste des Bäckers und des Schneiders mehr als ausgeglichen.

Bastiat diente die letzten zwei Jahre seines Lebens in den französischen Verfassungs- und Gesetzgebungsversammlungen, wo er unermüdlich daran arbeitete, seine Kollegen von den Vorzügen der Freiheit und freier Märkte zu überzeugen. Sie erwiesen sich als sein hartnäckigstes Publikum. Die meisten waren weitaus mehr an egoistischen und kurzfristigen Vorteilen (wie Macht, Geld, Wiederwahl und die Gefälligkeiten für Freunde) interessiert als an nachhaltigen Einsichten.

Er konnte brillant sein in den Anklagen gegenüber seinen Kollegen mit politischer Macht, die sich anmaßten, die Kontrolle über das Leben anderer zu planen, wie etwa in dieser Ansprache:

„Ach, ihr erbärmlichen Kreaturen! Ihr, die ihr denkt, dass ihr so großartig seid! Ihr, die ihr die Menschheit für so klein haltet! Ihr, die ihr alles reformieren wollt! Warum reformiert ihr euch nicht selbst? Diese Aufgabe wäre ausreichend.“

Sein berühmtestes Werk ist „Das Gesetz“, das im Jahr seines Todes erschien.

Die Welt im 21. Jahrhundert ist voll von wirtschaftlichen Irrtümern, die größtenteils moderne Versionen von denen sind, die Bastiat vor langer Zeit aufgedeckt und widerlegt hat. Die Antworten auf die lästigen Probleme, die diese Irrtümer hervorrufen, sind selten in Vorschlägen zu finden, die die Bürokratie stärken und gleichzeitig ausgeklügelte Regelungen für das private Verhalten durchsetzen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Antworten in den tiefen und dauerhaften Prinzipien liegen, die Frédéric Bastiat so überzeugend dargelegt hat.

Literatur:

Detmar Doering: Frédéric Bastiat. Academia-Verlag, Sankt Augustin 1997

www.bastiat.de

Lawrence Reed

Lawrence W. Reed war Präsident der Foundation for Economic Education von 2008 - 2019. Er studierte Volkswirtschaft am Grove City College und Geschichte an der Slippery Rock State University.